Bin ich ein Künstler?

Oft werde ich gefragt, wie ich zu einer Künstlerin wurde, oder es wird anderweitig der Begriff in Zusammenhang mit meinen Arbeiten genannt. Dabei habe ich mich selbst nie als eine Künstlerin bezeichnet. Mich beschäftigt schon lange die Frage, ab wann darf man sich Künstler/in nennen, oder ist es eine Art Titel die man verliehen bekommt? Hier ein paar meiner Gedanken zu diesem Thema.

Vorab, es sind meine Gedanken zu der Fragestellung. Jemand anders kann für sich eine eigene Wahrheit zur Bezeichnung als Künstler oder zu der Kunst selbst haben. Das ist doch gerade das schöne bei der Kunst, alles kann – nichts muss.

 

Eigentlich müsste zuerst die Kunst selbst definiert werden. Es gibt so viele künstlerische Tätigkeiten, dass es schwer fällt eine allgemein gültige Erklärung zu finden. Ich beziehe mich im Folgenden auf den Bereich der bildenden Künste, genauer gesagt der Malerei, da ich hier selbst „zuhause“ bin. Natürlich schätze ich auch andere Sparten der Kunst, wie Musik, angewandte Kunst und Literatur.

 

Laut Internet wird eine Person als Künstler* bezeichnet, die „beruflich im Bereich der Kunst tätig ist, Kunstwerke schafft oder darstellend interpretiert“ (Quelle: Wikipedia).

 

Nun gut, sicherlich ist inzwischen der Künstler mehr eine Berufsbezeichnung, diese wird nachgewiesen durch eine entsprechende Ausbildung oder etwa durch eine gewisse Anzahl an Ausstellungen. So kann also auch ein Autodidakt zum Künstler werden. Ich empfinde den Begriff des Künstlers allerdings als nichts statisches, nichts was man unbedingt direkt messen kann. Ähnlich wie bei der Kunst selbst, ist es für mich nichts Greifbares, sondern etwas Freies. Und sollte es nicht auch genau das sein, was Kunst ausmacht? Sollte nicht jeder seine eigene Wahrheit finden?

 

Ich denke auch, dass ein Künstler nicht nur jemand ist, der zu festgeschriebenen Arbeitszeiten etwas Kreatives schafft. Ich glaube viel mehr, dass es eine Lebenseinstellung ist. Ein kreativer Mensch sieht die Schönheit und Inspiration dort wo sie ihm gerade begegnet. Allerdings ist es mehr ein Weg, ein Prozess. Ich kann mir nicht vorstellen, eines Tages zu sagen: „Ab heute bin ich Künstler!“.

 

Im Kunstunterricht wurde ich in einem Jahr für meine Arbeiten gelobt, im nächsten getadelt, dass meine Bilder keine Aussage, keine Kritik enthalten. Je nach Ansicht müsste ein Kunstwerk also etwas großes aussagen, etwas kritisieren. Aber ich denke man sieht schon an den unterschiedlichen Meinungen meiner Lehrer, wie groß die Spanne der Definition von Kunst ist. Ich denke nicht, dass Kunst etwas kritisieren muss. Sicherlich darf sie es. Aber Gemälde dürfen auch einfach nur schön anzusehen sein. Und je nach Betrachter lösen sie Gefühle aus, das kann natürlich auch Kritik sein.

 

 

Wenn mich also jemand fragt, ob ich ein Künstler bin, sage ich meistens einfach, dass ich gerne male. Denn genauso ist es auch, es bereitet mir Freude etwas auf der Leinwand festzuhalten. Es lässt einen die Zeit vollkommen vergessen, den Stress des Alltags und es hat etwas Meditatives. Und ist es schlussendlich nicht genau das? Sich nicht an einer Begrifflichkeit festzuhalten, sondern einfach Spaß zu haben an dem was man tut?

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Kommentare: 3
  • #1

    Andrea (Donnerstag, 04 Februar 2016 14:04)

    Für mich ist Kunst, wenn meine Seele berührt wird, von dem was der Künstler geschaffen hat. Hier werde ich berührt!!!
    Die Definition über die Kunst ist hier sehr treffend formuliert worden.

  • #2

    Irini (Dienstag, 23 Februar 2016 15:18)

    Hi Charlene,
    jaaaa, ist das Kunst, oder kann das weg....?! Was ist Kunst?? Sind Farbkleckse Kunst? Ist Abgemaltes Kunst? Wird das Rad neu erfunden?

    Den o. g. Kommentar finde ich sehr treffend. Als Künstler meine ich auch, dass man seine Kunst lebt, dass man sich in sein Werk hineinlebt, -versetzt, -empfindet. Vor dem geistigen Auge viel mehr sieht, als bloß das Motiv. Dass man die Stimmung empfindet - entweder die Stimmung, die gerade in der Landschaft vorherrscht, oder in der sich das Tier, der Mensch befindet. Während man malt, begibt man sich in diese Stimmung und gibt sie in Farben wieder....

    Aber: Ist das Kunst? Ist es Kunst, wenn ich ein paar Lieder auf der Blockflöte spielen kann oder Beethovens 9. auf dem Klavier?

    Ich glaube, auf das WIE, das GESAMTBILD kommt es an. Wenn der Betrachter die Stimmung empfinden kann.

    Für mich bist du eine tolle Künstlerin!

  • #3

    Charlene Schmidt (Montag, 29 Februar 2016 20:58)

    Vielen lieben Dank Andrea und Irini! Es freut mich, dass euch beiden meine Arbeiten gefallen und ihr es als Kunst ansieht.

    Es ist einfach ein schwieriges Thema, "Was ist Kunst?" Darüber kann man endlose Bücher schreiben... Irini, ich bin da ganz deiner Meinung. Ich kenne deine Bilder auch und auch du bist für mich eine wahrhafte Künstlerin!