Ist die realistische Malerei überflüssig?

Warum realistisch malen?

 

 

Oft werde ich gefragt, warum ich überhaupt realistisch male. Ich könnte meine Motive bzw. Fotos doch einfach auf Leinwand drucken lassen, das gehe ja schließlich auch viel schneller. Natürlich ist es schneller und einfacher und kostengünstiger, wenn man die Zeit berechnet die ich an einem Gemälde sitze. Trotzdem ist in meinen Augen der Realismus noch lange nicht tot.

Realismus

In der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in Europa der Realismus. Der französische Maler Gustave Courbet definierte die realistische Kunst, dass ausschließlich Dinge dargestellt werden sollen, die vom Maler gesehen werden und angefasst werden können.

 

Zitat Gustave Courbet: „Schönheit liegt in der Natur und offenbart, einmal vom Künstler erkannt, ihre eigene Ausdruckskraft.“

 

Im Vordergrund dieser Malweise stand, die Motive möglichst genau darzustellen. Daneben wurde zum Teil auch Kritik an gesellschaftlichen Zuständen ausgeübt. Einer der bekanntesten Maler ist wohl Edward Hopper.

 

 

Fotorealismus

 

Der Fotorealismus entwickelte sich im Anschluss an die Pop Art, in den späten 60er und frühen 70er Jahren. Dieser war vor allem in den USA weit verbreitet. Ziel war es die Fotografie möglichst exakt in ein Gemälde umzusetzen. Durch sehr exakte Abbildung der Wirklichkeit kam es beim Betrachter zu Verwirrung, ob es sich nun um ein Gemälde oder eine Fotografie handelt. 

Realistische Malerei heute – meine Sicht der Dinge

Auch in der heutigen Zeit, in der Kameras immer besser, einfacher und bezahlbarer werden, gibt es viele Künstler die realistische Motive umsetzen.

Auch ich habe mir oft Gedanken gemacht, ob es noch Sinn macht, ein möglichst realistisches Motiv zu malen und ich bin zu einem eindeutigen Ja als Antwort gekommen.

 

Warum? Es gibt viele Gründe, die für die realistische Malerei sprechen.

Für mich als Malerin bedeutet eine möglichst realistische Malweise eine Auseinandersetzung mit dem Motiv. Bei der Entstehung fallen viele Details viel mehr ins Auge, als wenn man nur das Foto betrachtet. Es bereitet mir Freude, die vielen kleinen Details auf Leinwand festzuhalten, seien es Fellwirbel, der Ausdruck der Augen oder einzelne Farbstufen. In stundenlanger Detailarbeit „verliebe“ ich mich oft in das Motiv. Es ist immer faszinierend, wie sich das fertige Werk aus vielen kleinen Einzelschritten entwickelt. Und am Ende weiß man wie viel Zeit man für all die kleinen Details investiert hat und schätzt das Motiv umso mehr.

 

Für den Betrachter oder Kunden hat ein Gemälde nach eigenen Vorstellungen oder der Vorlage einen hohen individuellen Wert. Es ist etwas ganz besonderes und verdient auch einen entsprechenden Platz in der Wohnung, im Büro oder wo auch immer er es gerne betrachtet.

 

Im Vergleich zu einem Fotodruck wirken die Farben intensiver und kräftiger und auch die Farbbrillianz hält über viele Jahre an. Im Vergleich zu einem Druck, kann bei einem Gemälde mit vielen Schichten, deckenden und durchscheinenden, gearbeitet werden. Gerade durch die vielen Schichten, erkennt man so verschiedene Nuancen.

 

Außerdem lassen sich bei einem Gemälde Veränderungen wie ein anderer Hintergrund, Ausschnitte oder auch eine Änderung des Ausdrucks umsetzen.

 

Ein Beispiel, die Vorlage zeigt einen Russky Toy Terrier auf einem Pferdepopo. Das wirklich sehr gute Foto wurde mir freundlicherweise von ThemaGrafie zur Verfügung gestellt.

Die Kundin wünschte sich einen etwas freundlicheren und weniger ängstlichen Ausdruck des Hundes. Dies wurde bei der Erstellung des Bildes umgesetzt, außerdem wurde der Bildausschnitt verändert, so dass der Hund mehr im Mittelpunkt steht.

Auch ich habe schon Kunstdrucke von meinen Gemälden anfertigen lassen. Auch wenn diese wirklich von guter Qualität sind, fällt im direkten Vergleich auf, dass das Leuchten der Farben verloren geht.

 

Ich möchte damit nicht sagen, dass man sich keine Fotos mehr drucken lassen soll, nein. Auch Fotodrucke und Fotobücher haben ihre Berechtigung und es ist doch viel schöner ein Fotobuch mit Erinnerungen durchzublättern, als die Fotos auf einer Festplatte „verstauben“ zu lassen.

 

 

Aber in meinen Augen, ist die realistische Malweise immer noch aktuell. Gerade bei der heutigen Reizüberflutung ist es doch eine Wohltat, sich einfach mal einen Moment Zeit für ein Motiv zu nehmen und den Blick und die Gedanken etwas freier zu bekommen.

 

 

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